Ausstellung im Haus der Alfterer Geschichte 2016

Gemeinsam Denkmale erhalten: Das Haus der Alfterer Geschichte

Der Tag des offenen Denkmals am 11. September 2016 stand mit „Gemeinsam Denkmale erhalten“ ganz im Zeichen des gemeinschaftlichen Handelns.

Ein gutes Beispiel dafür ist das „Haus der Alfterer Geschichte“ selbst. Das Haus ist zwar im engeren Sinne kein Denkmal, gehört aber zum denkmalgeschützten Umfeld von Schloss und Kirche. Und es steht in seiner Geschichte für das gemeinsame Handeln.

 

Das Gebäude wurde 1938/39 als katholisches Pfarr- und Jugendheim vom Architekten Denninger errichtet. Ab 1991, nachdem die Kirchengemeinde St. Matthäus ein neues Pfarrheim gebaut hatte und dieses Haus nicht mehr benötigte, wurde es bis Ende 2007 als Übergangsheim für Asylbewerber von der Gemeinde Alfter genutzt. Dann stand es zunächst leer

 

Bei einigen Alfterer Bürgern wurde die Idee geboren, in dem Haus ein Heimatmuseum einzurichten. Der Eigentümer, die Kirchengemeinde Sankt Matthäus, ließ sich darauf ein und überließ dem neu gegründeten Förderverein das Haus im Jahr 2009 unter der Bedingung, dass der Förderverein die Sanierung übernimmt.

 

Ein Eigenregie wurde das Gebäude renoviert und die Räumlichkeiten seiner neuen Bestimmung angepasst. In unzähligen Arbeitsstunden und mit Hilfe großzügiger Spenden wurde durch gemeinschaftliches Handeln ein neues Kulturzentrum entwickelt. Gemeinsam wurde ein für Alfter wichtiges Denkmal erhalten.

 

Der Förderverein Haus der Alfterer Geschichte wollte den Tag des offenen Denkmals und sein Motto nutzen, um die Geschichte des Gebäudes von seinen Anfängen bis in unsere Zeit im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

 

Die Geschichte des Hauses wurde in vier Themenfeldern behandelt:

 

1. Das historische Gelände: Anna-Kloster und Anna-Garten

Das Haus der Alfterer Geschichte befindet sich auf dem Areal des ehemaligen Augustinerinnen-Klosters St. Anna. Im Gedenken daran hat der Förderverein den neu gestalteten Außenbereich des HDAG „Anna-Garten“ genannt. Diese Bezeichnung wurde schon auf einer alten Lagekarte von Alfter aus dem 18. Jh. so verwendet.

Die Anfänge des Klosters reichen vermutlich schon in das 12. Jahrhundert zurück. Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster um 1803 aufgelöst. Noch heute sind bauliche Teile der alten Klosteranlage zu bestaunen: ein Torbogen von 1775, ein noch heute bewohntes spitzgiebeliges Gebäude aus dem 16. Jh., sowie die Klostermauern mit Brandspuren eines räuberischen Überfalls während des Truchsessischen Krieges im März 1587.

Die Geschichte des Klosters und des Geländes wird anhand von alten Karten und Ansichten anschaulich gemacht. Außerdem ist der Förderverein seit dem letzten Jahr im Besitz einer wertvollen Standuhr aus dem ehemaligen Kloster, die den Schwestern im Jahre 1778 von dem Bonner Kanoniker Johann Adolph Freusberg gestiftet wurde.

 

2. Das ehemalige Jugendheim

Das Haus der Alfterer Geschichte wurde 1938/39 als katholisches Jugendheim im Auftrag des Kirchenvorstandes vom Architekten Wilhelm Denninger (1899-1973) geplant. Dieser war zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Architekten Bonns und für zahlreiche Verwaltungs- und Wohnbauten gestalterisch verantwortlich. Zu seinen berühmtesten Projekten zählt zum Beispiel das kurz zuvor im Jahr 1938 errichtete Landhaus Kiefernweg 12 auf dem Venusberg, in dem nach dem Krieg zahlreiche Spitzenpolitiker, wie z.B. auch Willy Brandt, lebten.

Bis in die 80er Jahre diente das Jugendheim der Pfarrgemeinde gleichzeitig für verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen. Viele ältere Alfterer erinnern sich gerne an die legendären Diskoabende der 70er Jahre zurück, die von den Messdienern und der katholischen Landjugendbewegung (KLJB) im regelmäßigen Rhythmus am Samstagabend (natürlich nach der Messe) abgehalten wurden. Die Jugendarbeit stand immer Mittelpunkt. So wurden in den 70er Jahren in 15 Gruppen bis zu 80 Jugendliche betreut.

Die Zeit der Nutzung wird anhand von Fotos und Erinnerungen von Zeitzeugen erlebbar gemacht. Auch musikalisch geht zurück, um mit Hilfe originaler Plattenspieltechnik die Stimmung vergangener Zeiten einzufangen.

 

 

3. Das Übergangsheim für Asylbewerber

Ab 1991 wurde das Gebäude von der Gemeinde Alfter angemietet und als Übergangsheim für Asylbewerber genutzt. Diese Nutzung wurde im Gegensatz zu anderen Vorhaben der Gemeinde für Aussiedler und Asylbewerber nicht kontrovers diskutiert. Erst Ende 2007 konnte die Gemeinde das Haus wieder aufgeben. Ein Eindruck von dieser Zeit wird anhand von Unterlagen aus dem Gemeindearchiv vermittelt.

 

4. Das Haus der Alfterer Geschichte

Im Jahr 2009 wurde das Gebäude und die Außenanlage dem neu gegründeten Förderverein Haus der Alfterer Geschichte zur Verfügung gestellt. Mittlerweile wurde in den sieben Jahren, die das Haus der Alfterer Geschichte besteht, neun Ausstellungen gezeigt, drei Publikationen veröffentlicht und zahlreiche Gastveranstaltungen durchgeführt. Das Haus etabliert sich zunehmend als Archiv und Dokumentationszentrum für die Alfterer Ortsgeschichte.