Tag des offenen Denkmals 2013

Rundwanderung "Unbequeme Denkmäler in Alfter" (08.09.2013)

Rund zwei Stunden nahmen die geführten Wanderungen durch Alfter in Anspruch, die der Förderverein Haus der Alfterer Geschichte zum Tag des offenen Denkmals am 08.09.2013 vorbereitet hatte. Unter dem Motto "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmäler" wurden fünf Denkmäler in Alfter angesteuert und diskutiert.

 

Trotz des regnerischen Wetters waren die zwei Führungen um 11 Uhr und 15 Uhr gut besucht. Insgesamt fanden sich fast 50 interessierte Teilnehmer ein.

 

Hier die fünf Stationen noch einmal im Überblick: 

Luise Weichert erläutert im Kaminsaal die Renovierungsmaßnahmen am Schloss

1. Schloss Alfter

Der absolute Publikumsmagnet stand gleich zu Anfang der Wanderung auf dem Programm. Luise Wiechert, Verwalterin der Anlage im Auftrag des Eigentümers, erläuterte im Kaminsaal, was das Schloss zum unbequemen Denkmals macht. Denn für den Eigentümer des Schlosses stellt die Entwicklung und Umsetzung eines adäquaten Nutzungskonzepts eine große Herausforderung dar. Hierbei gilt es, nicht nur die Größe des Objekts im Auge zu halten, sondern auch andere Faktoren, wie z.B. Denkmalschutz, Umgebungsverträglichkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Beispielhaft wurden anhand zuletzt durchgeführter Sanierungsmaßnahmen die immensen Kosten aufgezeigt, und die Anforderungen von seiten des Denkmalschutzes erläutert. Frau Wiechert wies darauf hin, dass ein ständiger, konstruktiver Austausch mit der Denkmalbehörde unabdingbar sei. Es folgte eine lebhafte Diskussion um Sinn und Unsinn einzelner Vorgaben, Fördermaßnahmen und die praktische Hilfe der verantwortlichen Stellen.  

Auf dem Weg zum Friedhof

2. Gräber russischer Zwangsarbeiter

Weiter ging es den Hühnerbuschweg hinauf zum Friedhof. Hier gab Emil Reuter Auskunft zur Stellwand, die der Heimatverein zur Erinnerung an die im zweiten Weltkrieg verstorbenen Soldaten neben der Kapelle aufgestellt hatte. Besonderes Augenmerk wurde im Anschluss daran einer Gräberreihe gewidmet, die speziell den Verstorbenen zur Zeit des zweiten Weltkriegs vorbehalten ist. Da sich auch einige Teilnehmer noch persönlich an die Opfer von Bombenangriffen und Überfällen erinnern konnten, wurde so manche Geschichte ausgetauscht.

Unter diesen Gräbern befindet sich auch eines, dessen Grabstein mit kyrillischen Schriftzeichen versehen ist, und für russische Zwangsarbeiter aufgestellt worden war. Obwohl das Grab an eine Zeit erinnert, in der menschenverachtende Ausbeutung von Gefangenen an der Tagesordnung war, wies Emil Reuter darauf hin, dass viele der Arbeiter im Ort gut integriert waren: Nicht zuletzt deshalb, weil sie hervorragenden Schnaps brennen konnten.

Günter Benz verliest die Begründung der Denkmalbehörde, warum der Friedensweg nicht unter Denkmalschutz zu stellen ist

3. Friedensweg

Der Friedensweg hat mittlerweile eine große Fangemeinde in Alfter. Das spiegelte sich auch an diesem Tag in dem großen Interesse der Teilnehmer wieder. Der hohe Stellenwert des Friedenswegs ist vor allem dem engagierten Einsatz von Günter Benz zu verdanken, der den Teilnehmern der Wanderung bereitwillig Auskunft zu diesem in mancherlei Hinsicht "unbequemen" Denkmal gab. Das fängt schon damit an, dass es sich eigentlich um gar kein Denkmal handelt, jedenfalls kein offiziell anerkanntes.

So war denn auch zentraler Diskussionspunkt die Ablehnung der Denkmalbehörden, die Stätte als Denkmal anzuerkennen und unter Schutz zu stellen. Bemerkenswert ist, dass in dem von Günter Benz vorgelesenen Begründungsschreiben viele inhaltliche Fehler enthalten sind, die vermuten lassen, dass eine wirklich ernsthafte Beschäftigung mit dem Wert der Anlage gar nicht stattgefunden hat. Durch die Ablehnung wird das Denkmal jedenfalls ganz besonders unbequem, da der Erhalt allein auf ehrenamitliches, privates Engagement angewiesen ist. 

Volker Hellwich im Gespräch mit Teilnehmern der Wanderung im Broichpark

4. Pumpenhäuschen im Broichpark

Besser konnte es kaum passen. Politik und Öffentlickeit diskutierten schon im Vorfeld unserer Veranstaltung über den Erhalt des Broichparks, der laut einem Ingenieursgutachten dem Hochwasserschutz in Alfter zum Opfer fallen soll. Die Pläne zur Entlastung des Kanalnetzes sehen an dieser Stelle eines von insgesamt vier Wasserrückhaltebecken vor. Mit dem Park und dem Pumpenhäuschen steht somit den Plänen ein "unbequemes Denkmal" entgegen.

So erläuterte Volker Hellwich, Sprecher der sich für den Erhalt einsetzenden Broichpaten, den Teilnehmern der Wanderung gerne, wie das Pumpenhäuschen zwischen den 30er und 50er Jahren die Wasserversorgung in Alfter sicher stellte, welche Bachläufe durch den Broichpark ziehen, und warum die Anlage wichtig als Erholungsraum, Tierparadies, Begegnungsstätte, Klimafaktor und grüne Oase wichtig für den Ort ist. Da die Broichpaten an diesem Tag auch eine kleines Sommerfest organisiert hatten, konnten sich die Teilnehmer der Wanderung in der schönen Parkatmosphäre mit Kuchen und Kaffee stärken. 

5. Kriegerdenkmal

Die letzte Station, bevor zum Haus der Alferer Geschichte zurückgekehrt wurde, war das Kriegerdenkmal am Herrenwingert. 

„Aus der Gemeinde Alfter starben den Heldentod …“, steht in großen Lettern auf einer Tafel des Kriegerdenkmals am Herrenwingert, gefolgt von einer Aufzählung der Gestorbenen aus den Kriegen 1866, 1870/71 und 1914/1918.

Vielen Alfterern mag die Wortwahl und die damit verbundene Verherrlichung des Soldatentums befremdlich erscheinen, stammt sie doch aus einer Zeit, in der Deutschland durch eine aggressive Außenpolitik an dem Ausbruch zweier Weltkriege beteiligt war.

Auf der anderen Seite erinnert das Mahnmal doch zu Recht an die einzelnen Menschen, die in den fürchterlichen Kriegen ums Leben kamen, und in Alfter trauernde Familien zurückließen.

Ein zumindest kontroverses Denkmal, das dem einen oder anderen unbequem erscheinen mag, zumal es mitten im Ortszentrum angesiedelt ist. 

 

 

 

 

Der Förderverein Haus der Alfterer Geschichte möchte allen Teilnehmern für ihr reges Interesse und die tollen Diskussionen danken!!!

 

Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen.

Flyer Unbequeme Denkmäler 2013.pdf
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